Überwindung der Armutsbarrieren durch Bildung

Michel’s Chance

Eines Nachts im Jahr 2004 wurde Michel*, ein 13-jähriger Junge, von Scheinwerfern angestrahlt, als er die Landstrasse entlanglief, die die Städte Cochabamba und Santa Cruz miteinander verbindet.

Er arbeitete nachts und verkaufte Tüten mit Lebensmitteln an Fahrgäste durch die Fenster von Bussen, die an einer Mautstelle hielten

In dem gleichen Jahr änderte sich Michels Leben, als er zusammen mit seinen Brüdern in unser Familienzentrum in Bolivien kam. Das Zentrum von NPH liegt 30 Minuten von seiner Heimatstadt La Arboleda entfernt.

Die Eingewöhnungszeit war kurz, aber manchmal auch schwierig. Doch schon bald profitierten Michel und seine Brüder von den Verbesserungen bei der Ernährung, der Ausbildung und der Gesundheit.

Michel blühte bei NPH auf. Viele Jugendliche hielten ihn für den Anführer von NPH Bolivien und sahen ihn aufgrund seines Engagements und seiner Bemühungen als Vorbild.

Michel verbrachte einen Grossteil seiner Zeit bei NPH in der Landwirtschaft und bei Tío Hugo (Onkel Hugo), der die Landwirtschaft leitete.

Tío Hugo beschreibt Michel als einen guten Mitarbeiter: „Er ist ein fleissiger Arbeiter, der alles lernt und nie nein sagt, wenn ihn jemand um Hilfe bittet“.

Michel weiss, wie man die Landmaschinen bedient, kann lange in der Sonne arbeiten und wird immer für seine guten Leistungen gelobt.

Michel träumt von Motoren und Bildung

Renzo und Michel auf dem Weg zur Karnevalsfeier in ihren Kostümen.

Aber Michel will nicht Landwirt werden – er träumt davon, seine eigene Autowerkstatt zu führen. Ihn interessiert, wie Maschinen funktionieren, schliesslich ist er ein leidenschaftlicher Autofan.

Im Jahr 2021 schloss Michel die High School als bester Schüler ab und erhielt eine besondere Anerkennung und einen Geldpreis.

Die Familie ist für Michel das Wichtigste in seinem Leben. Heute setzt er sein Studium fort, um eines Tages seine Familie besser unterstützen zu können. Nach einer arbeitsreichen Kindheit hat Michel sogar die Chance, ein eigenes Geschäft zu eröffnen.

Tausende von Leben wurden berührt

Michels Kindheit war wie die von Tausenden von bolivianischen Kindern, die arbeiten müssen, um zu überleben und ihre Familien zu unterstützen.

Seit der Gründung von NPH im Jahr 1954 hat das Vermächtnis von Padre Wasson das Leben von Tausenden von Kindern verändert, so auch das von Michel.

Im Laufe der Jahre wurden in allen Einrichtungen von NPH mehr als 20.000 Kinder aufgezogen.

Heute erhalten mehr als 6.400 Mädchen und Jungen mit der Unterstützung von NPH weltweit eine Schulausbildung.

In Bolivien gehören fast 100 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zur Familie von NPH.

Dies ist nur möglich, weil sich viele warmherzige Spender zusammengetan haben, um Leben zu verändern.

Wenn Sie die Ausbildung von bolivianischen Kindern wie Michel unterstützen möchten, klicken Sie auf den Button, um zu spenden und uns dabei zu helfen, Träume in wirksame Projekte zu verwandeln.

 *Der Name wurde geändert, um die Privatsphäre der Jugendlichen zu schützen.

„Bildung sichert Zukunft!“ – Ein Bleistift für ein besseres Leben

Armut, Entbehrung, keine Chance auf Schulbildung – das ist die traurige Realität unzähliger Kinder aus ärmsten Verhältnissen in Lateinamerika. Doch ohne Ausbildung endet ihre Zukunft im gleichen Elend, in das sie hineingeboren wurden. Die Armutsspirale dreht sich unaufhörlich weiter.

Mit unseren Kinderdörfern und Einrichtungen wie dem «San José Familienzentrum» in Mata de Plátano in Honduras, fangen wir diese Kinder auf.

« Ich konnte nicht in die Schule gehen. Ich hatte nicht einmal einen Bleistift. Ich weiss noch, wie sehr ich mich geschämt habe, arm zu sein. Heute bange ich um meine Enkelkinder. Es darf ihnen nicht wie mir ergehen … »

« Ich bin ohne Eltern aufgewachsen…»

«… als ich neun Jahre alt war, sass ich unter einem Baum und sah andere Kinder fröhlich in die Schule laufen. Aber ich hatte nicht einmal einen Bleistift. Ich konnte nicht in die Schule gehen. Ich habe mich so geschämt, dass ich arm bin», erzählt die über 60-jährige Margarita aus Honduras. «Dann habe ich angefangen, Leuten beim Tortillas backen zu helfen, damit ich etwas zu essen hatte. Ich träumte davon, Krankenschwester zu werden, doch ohne Bildung war ich nichts.»

Margarita und Virgilio kümmern sich um zwei ihrer Enkelkinder, denn bei der Mutter können sie nicht leben.

Heute ist Margarita Grossmutter und sorgt gemeinsam mit ihrem Mann Virgilio für zwei ihrer Enkelkinder, die sie über alles lieben. Doch finanziell fehlt es überall. Zudem sind Margarita und ihr Mann sehr krank. Virgilio leidet an Parkinson, Margarita an chronischem Reflux, doch für Medikamente fehlt das Geld. Vor kurzem ist Margarita auch noch gestürzt und hat sich den Arm verletzt, aber ein Röntgen kann sie sich nicht leisten. NPH hilft auf medizinischer Ebene und mit Schulbildung für die Kinder!

« Ich wünsche mir für meine Enkelkinder, dass sie lernen!
Dass sie etwas aus ihrem Leben machen und auch anderen Menschen helfen. Ich habe trotz Armut und meinem
Mangel an Bildung elf Jahre als Lehrerin in einer
Vorschule gearbeitet. Man kann immer etwas tun.
Heute bin unendlich dankbar, dass wir von NPH
medizinische Hilfe bekommen und es uns besser
geht, aber vor allem, dass unsere Enkelkinder
in die Schule gehen und lernen dürfen!»

Doña Margarita, Grossmutter aus Honduras

Schule für die Ärmsten der Armen – mit Ihrer Hilfe!

Bildung sichert Zukunft
Damit Kinder in der Schule erfolgreich lesen, schreiben und rechnen lernen können, müssen sie gut ausgerüstet sein. Doch die Ärmsten der Armen können sich oft nicht einmal einen Stift leisten.

In den NPH Kinderdörfern und Familienzentren betreiben wir eigene Schulen, damit verwaiste und verlassene Kinder ebenso wie Kinder aus ärmsten Verhältnissen eine Ausbildung bekommen. Nach Grund- und Sekundarschule erlernt jedes Kind einen seinen Interessen und Begabungen entsprechenden Beruf. Seit unserer Gründung vor mittlerweile über 60 Jahren konnten wir mehr als 18 000 Kindern ein sicheres, liebevolles Zuhause und dank einer Ausbildung die Chance auf eine bessere Zukunft schenken.

Bitte sichern Sie armen Kindern Bildung und medizinische Hilfe!

Mit 35 Franken sichern Sie einem Kind Stifte, Hefte und Bücher für die Schule.

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Mit 100 Franken sichern Sie Menschen in Not medizinische Hilfe und wichtige Therapien

Mit 100 Franken sichern Sie Menschen in Not medizinische Hilfe und wichtige Therapien!

Mit 150 Franken sichern Sie einem Kind Bildung und gezielte Hilfe für sechs Wochen.

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Aufwachsen ohne Mutter

Autobiografie von Marlon Velasquez

Marlon mit seinen Geschwistern, Dorian und Ismar.

Mein Name ist Marlon Velasquez. Ich war 4 Jahre, mein Bruder Ismar 3 Jahre und meine Schwester Dorian 5 Jahre alt, als meine Mutter das Haus verliess. Wir kannten weder die Gründe, noch haben wir danach gefragt. Unser Vater beschloss, sich um uns drei zu kümmern. Er war dafür zuständig, das Haus zu putzen, die Wäsche zu waschen, zu kochen und uns gleichzeitig zur Schule zu bringen. Er brachte meinen Bruder und mich in den Kindergarten und meine Schwester in die Grundschule.

Mehrere Jahre lang hat unser Vater versucht, uns das zu geben, was wir brauchten. Er hat uns beschützt und uns mit Liebe und Tatkraft, aber vor allem mit Liebe erzogen. Lange Zeit ermöglichte er uns eine Ausbildung, aber dann kam die Zeit, in der wir alle drei auf eine höhere Schule gehen wollten und er uns nur mit der Grundschule unterstützen konnte. Das war der Moment, als wir ihn baten, uns zu helfen, eine weiterführende Schule zu besuchen. Aber er sagte uns, dass er das aus Geldmangel nicht könne und das die Grundschulausbildung das sei, was er uns anbieten könne.

Aus diesem Grund verliess ich im Alter von 13 Jahren mein Zuhause, um einen Weg zu finden, mein Studium fortzusetzen. Ich lebte bei verschiedenen Familien in Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras. Das war sehr schwierig, denn ich musste arbeiten, um von Tag zu Tag zu überleben, ohne jemanden zu haben, der mich bei der Verwirklichung meiner Träume unterstützt.

Weg zur NPH Familie gefunden

Jeden Morgen ging ich hinunter zum Gemüsemarkt, wo die Frauen ihren Wocheneinkauf machten. Ich half ihnen, ihre Taschen zu tragen, um ein paar Cent zu bekommen, damit ich über die Runden kam. All das tat ich drei Jahre lang, bis ich eine Frau namens Doña Yolanda kennen lernte. Sie bot mir einen Job und die Möglichkeit an, zu studieren. Aber es war kompliziert, weil ich keine moralische Unterstützung hatte, die mich ermutigte, weiterzumachen. Bis Doña Yolanda mich eines Tages fragte, ob ich in einem Kinderdorf mitarbeiten wollte. Da traf ich Reinhart Koehler und Pater Rick, die mir von ihrer Familie erzählten. Zunächst hatte ich Angst und beschloss, meinen Bruder Ismar vorauszuschicken, um zu sehen, wie es bei der NPH Familie aussah.

Ich bekam die Gelegenheit, diese Familie persönlich kennenzulernen. In diesem Moment wurde mir klar, dass dies die Familie war, die ich suchte, und der Ort, an dem ich meine Träume erfüllen konnte. Ich erinnere mich an Reinharts Worte, als er mir sagte, dass sie mich nie aus der Familie nehmen würden, egal was passiert. Eine Familie für immer. Ich beobachtete, wie alle Erwachsenen Tanten und Onkel genannt wurden. Von den Kindern, die sie mir vorstellten, sagten sie mir: Das ist dein Bruder, das ist deine Schwester. Vom ersten Moment an, fühlte ich mich sicher. Ein paar Tage später sagte mir Reinhart, dass ich der Älteste sei und bat mich, auf die jüngeren Kinder aufzupassen. Es war sehr interessant, weil ich Verantwortung entwickelte und es mir half, den Individualismus zu vergessen, den ich mir in den Strassen von Tegucigalpa aneignete.

Vorbereitung zur Leiterschaft

Der Gedanke, zu studieren, begann in meinem Kopf zu verblassen, weil ich eine monatliche finanzielle Unterstützung erhielt. Eines Tages sagte Reinhart zu mir, ich solle mich vorbereiten, weil ich anfangen würde zu studieren. Ich sagte nein, weil NPH mich finanziell unterstützte. Aber Reinhart „Tio Richard“ entgegnete mir: „Ich bitte dich nicht. Ich sage dir, dass du studieren wirst, denn Bildung ist nicht verhandelbar“.

In der ersten Phase meines Lebens bei NPH war das, was mein Leben am meisten veränderte, die Beziehung, die ich zu Reinhart und den anderen „Pequeños“ und „Pequeñas“ hatte. Als Teenager erinnere ich mich an meine Krisenmomente und daran, dass Reinhart wie ein Vater da war. Bei einer Gelegenheit sagte er mir, dass er immer dasselbe wollte, egal was ich getan hatte, was ich tat oder was ich tun würde. Das hat mir geholfen, für meine Ziele zu kämpfen. Reinhart hat mich gelehrt, mich selbst auf positive Weise zu lieben, mich mit meinen Stärken und Schwächen zu akzeptieren. So endete mein erster Teil der High School.

Der zweite wichtige Zyklus in meinem Leben ist die Begegnung mit Padre Wasson, der mich einlädt, seinem Beispiel zu folgen. Meine Ausbildung bei ihm war nicht nur akademisch, sondern auch sehr spirituell. Er lehrte mich wahre christliche Liebe und dass wir bei NPH dazu berufen sind, bedingungslos für andere da zu sein. Er war sehr darauf bedacht, dass ich glücklich bin, aber auch, dass ich das nötige Rüstzeug habe, um in diesem Leben zu überleben.

Höhere Ausbildung und Einsetzung als Direktor NPH Nicaragua

Er gab mir die Gelegenheit zum Studium in den USA, im Bundesstaat Arizona. Ich habe ein Jahr lang Englisch gelernt. Dann studierte ich am Yavapai College und wechselte in der Folge an die University of Northern Arizona, wo ich mich in Psychologie und Sozialarbeit investierte. Ich habe meinen Abschluss im Jahr 2000 gemacht, immer in Begleitung von Padre Wasson.

Während meiner Studienzeit bat mich Padre Wasson, mich nicht von Gott abzuwenden und darum zu beten, dass er mich auf meinem Weg begleiten möge. Die Universität hat mich gelehrt, kritisch zu denken und Entscheidungen zu treffen.

In Begleitung von Padre Wasson nahm ich an den Eröffnungen von NPH Guatemala und NPH Nicaragua teil. Diese Momente waren die Erfahrungen, die es mir ermöglichten zu verstehen, was er mit der Familie wollte.

Ich hatte das Glück, der letzte Nationaldirektor zu sein, den Padre Wasson eingesetzt hat. Seitdem arbeite ich bei NPH Nicaragua. Derzeit arbeite ich hier seit 16 Jahren als „Hermano mayor“ (grosser Bruder) der Familie.

Anekdote: Auf dem Mangobaum

Reinhart bemühte sich sehr darum, mich vom Leben im NPH Kinderdorf zu überzeugen. Aber ich glaubte ihm nicht, weil ich Gerüchte gehört hatte, dass bei NPH den Kindern Organe entnommen werden. Ich hatte Angst und wenn Reinhart nach mir suchte, versteckte ich mich in den Zweigen eines Mangobaums. Alle hielten nach mir Ausschau. Erst wenn Reinhart weg war, kletterte ich vom Baum hinunter.

Einmal war mein Bruder Ismar in Schwierigkeiten und hatte genug, von einem Leben ohne Perspektiven. Er hatte von NPH gehört und mir selbst ja schon vorgestellt. Ohne lange zu überlegen, beschloss ich, ihm meinen Platz zu geben, damit sie ihn aufnehmen würden und nicht mich. Ich erinnere mich an den Tag, an dem Reinhart mich suchte. Ich erklärte ihm die Situation meines Bruders, dass er ihn mehr bräuchte als mich. Deshalb sollten sie ihn nehmen und nicht mich. Reinhart antwortete, wenn ich wolle, dass mein Bruder zu NPH komme, dann müsse ich auch kommen. Es dürfe kein Familienmitglied aussen vor bleiben. Und übrigens, alle unsere Organe blieben unversehrt.

Ich weiss nicht wie Reinhart so Vieles schaffte, denn jetzt, da ich Vater bin, weiss ich wie gross die Verantwortung ist.


* Vater Rick: Richard Frechette, ehemaliger National Direktor NPH Haiti (aktuell: Berater NPH Haiti)

* Reinhart Koehler, ehemaliger National Direktor NPH Honduras (aktuell: Präsident NPH International)

Women’s Empowerment

Die Stärkung der Frauen verbessert die ländlichen Gemeinden

In einem Land, in dem Frauen tagtäglich für ihre Rechte kämpfen, gibt NPH Guatemala Frauen auf dem Land die Möglichkeit, sich Fähigkeiten anzueignen, die ihnen eine aktive gesellschaftliche Teilhabe und eine grössere wirtschaftliche Unabhängigkeit garantieren.

Josefina auf dem Markt
Josefina verkauft ihre Werke auf dem lokalen Markt

Wirtschaftliche Bevollmächtigung ist der Schlüssel zur Überwindung der Diskriminierung und der Defizite, denen Frauen in Guatemala nach wie vor ausgesetzt sind. Der geringere Zugang zu Dienstleistungen, insbesondere zu Bildung, schränkt das Beschäftigungs- und Einkommenspotenzial von Frauen ein, insbesondere von indigenen und Mestizo-Frauen in ländlichen Gebieten. Frauen machen in Guatemala 51 Prozent der Gesamtbevölkerung aus, doch sind sie seit jeher von den Vorteilen der Entwicklung ausgeschlossen.

Die Wirtschaftskommission für Lateinamerika (ECLAC) schätzt, dass Guatemala die zweithöchste Analphabetenrate unter Frauen in Zentralamerika aufweist.

Viele guatemaltekische Frauen sind mit unbezahlter Kinderbetreuung und Hausarbeit belastet, was sie daran hindert, in vollem Umfang an der formellen Wirtschaft teilzunehmen. Ihr Mangel an wirtschaftlicher Autonomie hindert sie auch daran, der häuslichen Gewalt zu entkommen. Viele misshandelte Frauen, die Gewalt dulden oder den Rechtsweg nicht beschreiten, tun dies, weil sie wirtschaftlich nicht unabhängig sind.

Deshalb arbeitet NPH Guatemala mit dem „Oficina de la Mujer“ (Frauenbüro) zusammen, einer Einrichtung der Gemeinde Parramos, die sich um das Wohlergehen der Frauen und Familien vor Ort bemüht. Gemeinsam unterstützen wir Frauen dabei, sich aktiv um ihre eigene Entwicklung zu bemühen, die Führungsrolle von Frauen in der Gemeinde zu stärken, die wirtschaftliche, soziale und politische Teilhabe von Frauen zu fördern und sie über ihre Rechte aufzuklären.

Dina Lopez, Leiterin des Frauenbüros in Parramos und Programmleiterin der Initiative „Empoderamiento a Mujeres“ (Frauenförderung), koordiniert das Programm seit sechs Jahren. Sie kennt die schwierige Situation, in der sich viele Frauen vor Ort befinden. „Die Frauen in Parramos haben ein durchschnittliches Monatseinkommen von 1.250 QTZ (162 USD). Die meisten Frauen hier arbeiten informell in der Landwirtschaft oder gehen informellen Tätigkeiten nach, wie Wäsche waschen oder Häuser putzen“, sagt Dina. Das ist weniger als die Hälfte des offiziellen monatlichen Mindestlohns von 2.872 QTZ (372 USD) in Guatemala

Viele Frauen in Parramos haben unter männlichem Chauvinismus, Kriminalität und Gewalt zu leiden. Ein Teil des Frauenemanzipationsprogramms besteht darin, Frauen in gefährdeten Situationen zu helfen, sich mit spezialisierten Gruppen abzustimmen und die technischen Fähigkeiten der Frauen zu verbessern.

Im Jahr 2021 bot NPH Guatemala in Zusammenarbeit mit dem Frauenbüro Workshops in den Bereichen Bäckerei, Nähen und Schneidern an, um Frauen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen, Kleinstunternehmen zu gründen und ihren Lebensstandard zu verbessern. Josefina aus der Stadt San Luis in Parramos zeigt, wie eine dieser Frauen diese Ausbildung nutzte, um neue wirtschaftliche Möglichkeiten für sich und ihre Familie zu erschliessen.

Josefinas Familie brauchte mehr Einkommen

Josefina lebt mit ihrem Mann, zwei Töchtern und einem Sohn in einem kleinen Haus in San Luis. Vor der COVID-19-Epidemie arbeitete Josefina viele Jahre lang in einem Restaurant in Antigua Guatemala. Die Pandemie verursachte einen starken Rückgang des Tourismus, so dass Josefina im April 2020 ihren Job verlor. Seitdem arbeitet sie von zu Hause aus, indem sie für Veranstaltungen kocht und Stoffe näht, um zum Einkommen der Familie beizutragen. „Ein zusätzliches Einkommen ermöglicht es meinen Kindern, ihre Ausbildung fortzusetzen und zu Fachleuten mit besseren Chancen in der Gesellschaft zu werden“, sagt Josefina.

Josefina und ihre Familie
Josefina und ihre Familie

Aufgrund von COVID-19 wurden die Schulen vom Präsenzunterricht auf Online-Unterricht umgestellt. Das bedeutete, dass Josefina zu Hause einen Internetanschluss installieren musste, damit ihre Kinder während der Pandemie weiter lernen konnten. „Ich habe es geschafft, Kleidung zu nähen und das Einkommen unserer Familie zu erhöhen, um die neuen Bildungsanforderungen zu erfüllen, aber es ist sehr schwierig“, sagt sie.

Wie ein Workshop ein Leben veränderte

Josefina ist der Meinung, dass Gruppentrainings für sie eine gute Möglichkeit sind, ihr Wissen weiterzugeben und ihre persönlichen Fähigkeiten zu verbessern. Im Jahr 1996 hielt sie Vorträge über männlichen Chauvinismus. Seitdem ist Josefina eine weibliche Führungspersönlichkeit in ihrer Gemeinde, die indigenen Frauengruppen Fertigkeiten vermittelt, die ihnen helfen, mehr Einkommen zu erzielen, z. B. wie man Seife und andere Produkte herstellt und wie man Land für den Gemüseanbau bestellt. Diese Fähigkeiten sind wichtig, denn in den ländlichen Gebieten Guatemalas spielen die Frauen eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, die Ernährung zu sichern und den Lebensunterhalt ihrer Häuser und Gemeinden zu sichern.

Josefina erfuhr von NPH Guatemala durch ein Nachbarskind, das 2013 das Bildungszentrum absolviert hatte. Eines Tages sah sie einen Beitrag in den sozialen Medien, in dem das Frauenbüro und NPH Guatemala kostenlose Workshops in Bäckerei, Nähen und Schneidern anboten. Ohne zu zögern nahm sie Kontakt zu Dina Lopez auf und meldete sich für den dreimonatigen Kurs an, der im Februar 2021 im Casa San Andrés beginnt.

Das Ziel von Josefina war es, ihre Nähkenntnisse zu verbessern. Sie nahm aktiv am Kurs teil und war die einzige Schülerin, die jede Woche zusätzliche Kleidungsstücke ablieferte. Sie wusste, dass die Ausbilderinnen sehr begabt sind: „Als interessierte und lernwillige Schülerin profitierte ich davon, dass die Lehrerin ihr Wissen mit mir teilte, denn die Lehrerin wird das, was gelehrt wird, entsprechend den Fähigkeiten der Schülerin weiterentwickeln“, sagt Josefina.

Während der Abschlussfeier erhielten elf Frauen ihr Zertifikat in Bäckerei und acht in Nähen und Schneidern. Josefina gewann einen Preis für die beste Schülerin und ist nun stolze Besitzerin einer neuen Nähmaschine, mit der sie ihre Stoffproduktion zu Hause verbessern kann.

In der restlichen Zeit des Jahres 2021 arbeitete sie für ein Privatunternehmen und für Nachbarn. Sie übernahm auch grössere Schneiderprojekte, wie eines für die Gemeinde Parramos, bei dem sie 200 Sitzbezüge und 20 Tischläufer nähte. „Ich würde gerne mehr Nähtechniken lernen, deshalb habe ich mich für den zweiten Kurs im Januar 2022 angemeldet. Dann kann ich weitere Kleidungsstücke mit fortgeschritteneren und spezielleren Nähtechniken anfertigen“, erzählt Josefina.

Guatemalas Frauen müssen weiter Fortschritte machen

Frauen sind im gesellschaftlichen Leben nach wie vor unterrepräsentiert, und die Realität in Guatemala zeigt, dass es immer noch Ausgrenzung, Diskriminierung und vor allem Gewalt gegen Frauen gibt.

Mehr als die Hälfte der guatemaltekischen Bevölkerung ist weiblich. Deshalb ist es notwendig, alle Gesetze zum Schutz der Frauen einzuhalten, die Entwicklung und Einbeziehung von Frauen in alle Pläne, Programme und Politiken zu erreichen und alternative Lösungen für die soziale Integrität der Frauen zu finden.

„Die Pandemie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die wirtschaftliche Stärkung der Frauen im Mittelpunkt der nationalen Agenda steht“, sagt Adriana Quiñones, die Vertreterin von UN Women in Guatemala.

Nuestros Pequeños Hermanos (NPH) ist eine bei der UNO registrierte Organisation.

Nuestros Pequeños Hermanos (NPH) setzt sich für die Förderung und Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs) ein.

Durch unsere Vorbereitungsprogramme unterstützen wir starke Frauen mit dem SDG Nr. 5 – Gleichberechtigung der Geschlechter: Die Gleichstellung der Geschlechter erreichen und alle Frauen und Mädchen stärken; SDG 8 – Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum: Nachhaltiges, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern; und SDG 10 – Ungleichheiten abbauen: Verringerung der Ungleichheit innerhalb von und zwischen Ländern.